Ein „bild der wissenschaft“-Artikel zeigt, wie die Naturwissenschaft Fortschritte bei der Frage macht, dass und wie die genetischen Wurzeln unser (Fehl)Verhalten unmittelbar beeinflussen. Dieser typisch naturwissenschaftlich geprägten Methode, die sich eng an die Erkenntnisse und Bestimmungen auf der materiell-körperlichen Ebene hält, hier die der Gene und Neuronen, sind aber beim komplexen menschlichen Verhalten deutliche Grenzen gesetzt. Um das menschliche Verhalten umfassender in der evolutionären Perspektive zu verstehen, bedarf es der Ergänzung mit der beobachtungsorientierten, „denkerischen“ Methode. Mittels dieser Methode wurde schon die Evolutionstheorie als solche entdeckt, d.h., wie es der Name sagt, wurden mit einer sich nicht unmittelbar aus den Beobachtungen ergebenden Theorie auffällige Einzelerkenntnisse in einen größeren, einfachen und einheitlichen Zusammenhang gebracht, der dann sogar das Weltbild veränderte. Mit Hilfe von Kant wird diese Ergänzung nachfolgend an dem ältesten und weitverbreitesten exklusiv-menschlichen Verhalten durchgeführt, das trotz der neuzeitlichen Aufklärung und der Evolutionstheorie bis heute unser kulturelles Sein und Weltbild maßgeblich bestimmt (und spaltet): Die Religiosität. Die durch Kant schon lange vollzogene vollständige Entmythologisierung dieses Verhaltens lässt sich darin sehr effektiv auf die Evolutionstheorie anwenden. Das legt nicht nur die Evolution des Menschen in den letzten Jahrtausenden als Zusammenspiel von genetischer und kultureller Evolution offen, sondern macht auch die dramatische gegenwärtige menschliche Evolution bewusst - und zwar in einem einheitlichen Weltbild.

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