Die wahren Wurzeln der Religionen: Evolution und Religion

Abstract

Philosophische Betrachtungen über den Ursprung von Religionen betrachten zumeist früheste Merkmale und Erscheinungsformen, wie z.B. Grabbeilagen oder vermutete rituelle Gegenstände und früheste Kunstwerke. Einige wenige vermuten Evolutionsvorteile, die Glaube und Religionen mit sich bringen.

Dieser Beitrag befasst sich mit dem realen Grund für die Entstehung von Glaube und Religionen, der auch den Grund für religiöse Überlieferungen darstellt. Die Grundlage für diese Untersuchung ist ein bislang nicht benutzter Ansatz zur Ableitung genetisch verankerten Grundverhaltens in allen Lebewesen, der mit sehr viel größerer Wahrscheinlichkeit darlegen kann, dass Religionen auf zwangsläufig entstandenen Fiktionen beruhen, als sich das Bewusstsein hinreichend entwickelte.   

Wann entstanden eigentlich Religionen?

Es klingt vielleicht trivial davon auszugehen, dass Glaube und Religionen erst mit dem Bewusstsein entstanden. Andererseits bestehen z.B. Bonobos (Zwergschimpansen) den rouge test, der als Indikator für erste Selbstwahrnehmung gilt, ohne dass sie irgendwelche religiösen Verhaltensweisen erkennen lassen. 

Also liegt die These recht nah, dass Glaube an Übernatürlichkeit als Startpunkt zu Religionen die Entwicklung der Selbstwahrnehmung auf ein hinreichendes Niveau an Bewusstsein erfordert. Die ältesten Funde von Bestattungen mit Grabbeilagen stammen aus einer Zeit von etwa 120 Tausend Jahren vor unserer Zeit, während unsere menschlichen Urahnen den rouge test vielleicht vor 1-2 Millionen Jahren eben bestanden hätten. Der Zeitraum dazwischen erscheint für eine hinreichende Bewusstseinsentwicklung durchaus akzeptabel.

Darüber hinaus liegt auch diese These sehr nah, dass die Entstehung von Religionen mit einem grundsätzlichen menschlichen Verhalten zu tun haben muss. Schließlich tauchte der religiöse Glaube weltweit zu etwa gleichen Zeiten und in vielen Varianten unabhängig voneinander auf, ohne dass ein kultureller Austausch über Kontinente hinweg möglich war. Mit größter Wahrscheinlichkeit muss es sich daher um eine artspezifische, genetisch fixierte Veranlagung im Grundverhalten handeln statt einer kulturell erworbenen. Und wenn ein genetisch verankertes Bedürfnis dahinter steht, so muss dessen Befriedigung durch Glaube und Religionen „eigentlich“ einen wichtigen Überlebensvorteil bedeuten, bis zum heutigen Tag, damit es sich in der Evolution herausbildete.

Der mit diesen Prämissen sich ergebende Zusammenhang für die Entstehung von Religionen ist einfacher, als man zunächst annehmen mag. Und er hat nichts mit einem ominösen Gottesgen zu tun.

 

Genetisch verankertes Grundverhalten

Mit Hilfe eines neuen, logischen und dennoch bislang nicht benutzen Ansatzes lassen sich die Facetten genetisch verankerten Grundverhaltens ab den frühesten Anfängen der irdischen Evolution sehr präzise ableiten[1]. Der Ansatz benutzt die Maximierung der Replikationsbilanz, das Verhältnis aus Entstehung und Vergehen und liefert mit hoher Verlässlichkeit einen Satz von Grundverhaltenskomponenten GVK als Folge des Grundantriebs zur Replikation.

Danach erzeugt der Grundantrieb zur Replikation die Verhaltens-Komponenten Streben nach Stärke und Dominanz, das Erobern schwächerer Wesen und Lebensräume, das Sicherheitsstreben gegen die eigene Eroberung, die Neugier, das Rangordnungsverhalten, das pragmatische hier und jetzt Verhalten und weitere.

Sie sind fundamental und unterstützen einerseits das Streben nach Nahrung und eigener Lebensqualität, andererseits das Streben nach Sicherheit vor den gleichen Interessen stärkerer Lebewesen, für die man selbst die Nahrung ist.

Wie fundamental dabei z.B. das Streben nach Sicherheit ist, lässt sich an allen Lebewesen leicht beobachten: es vergeht keine Sekunde, in der ein Vogel beim Picken nicht die Umgebung beobachtet. Eine durstige Giraffe kann eine Stunde und mehr nur wenige Meter vom nächtlichen Wasserloch entfernt stehen und in die Dunkelheit hinaus spähen. Sie verlässt den Platz ohne getrunken zu haben, wenn sie sich nicht absolut sicher fühlt.

Solcher Erkundungswillen für potentielle Bedrohungen ist genetisch verankert (Neugier) und er lässt sich auch biochemisch beobachten. Es ist entscheidend wichtig, jegliche potentielle Gefahr durch Aufklärung möglichst einschätzbar machen zu können, um mit ihr besser umgehen zu können.

 

Das Weltbild unserer Urahnen

Für die Erklärung der Entstehung von Glauben und Religionen ist neben den Grundverhaltenskomponenten aber auch eine hinreichende Vorstellung vom Weltbild der damaligen Hominiden von Bedeutung. Es bestand, wie für die gesamte unbewusste Welt,  praktisch nur aus Lebewesen: Aus schwächeren, die eher zur eigenen Nahrungskette gehörten und aus stärkeren, für die man selbst ein Bestandteil deren Nahrungskette war.  Daneben Geschlechtspartner, Rivalen und irrelevante Umgebung, die der Unterscheidung von Lebewesen diente und, weil täglich gleich gut einschätzbar, keine zusätzliche Bedrohung darstellte. Die Prioritäten im damaligen Weltbild hingen von den wichtigsten Bedürfnissen und vom Grundverhalten ab.

 

Grundverhalten, Weltbild und Bewusstsein als Ursache von Glauben und Religionen

Als sich Selbstwahrnehmung und Bewusstsein hinreichend entwickelten, vielleicht vor etwa 200- 100 Tausend Jahren, vielleicht auch etwas später, bekamen die bislang irrelevanten Eigenschaften der Umgebung wie Tag / Nacht, Sonne / Mond / Sterne, Dürre /Regen sowie insbesondere Geburt und Tod im eigenen Weltbild einen völlig anderen Charakter.

Getreu dem Weltbild, das im Kern nur aus „Wesen“ bestand, musste das ja jemand machen. Es können nur Wesen sein, die sich so unbeeinflussbar bewegen wie Sonne und Mond, die Regen oder Trockenheit schicken können, die Blitz und Donner verursachen oder Menschen den Tod bringen.

Das Sicherheitsbedürfnis war massiv angesprochen: Wo sind die Wesen, die das machen? Wie sehen sie aus? Welche Bedrohungen gehen sonst noch von ihnen aus? Wann schlagen sie zu? Wer völlig unsichtbar solche Vorgänge hervorrufen kann muss übermächtig sein, eine potentielle Bedrohung obersten Rangs. Und keine Chance, die Bedrohung soweit aufzuklären, um mit der möglichen Gefahr umgehen oder sie abwehren zu können. Das damalige Weltbild ließ eine andere Einschätzung ja überhaupt nicht zu.

Konsequenterweise wurden die potentiellen Bedrohungen benannt: Etwa Regengeist, Sonnengott, Monddämon, Fruchtbarkeitsgeist, Jagdgott, Todesgeist, etc. Und getreu dem Weltbild, in dem sich die unterlegenen Sippenmitglieder dem stärksten Alpha unterordneten und ihm gehorchten, andernfalls sie bestraft werden, wurde solche Verhaltensmuster auch auf die mächtigen Götter übertragen: Huldigen, loben, sich unterordnen, opfern, ihm täglich versichern, wie groß er ist und dass sie ihm dienen.

Mit immer ausgeprägterem Bewusstsein und damit verbundener besserer Denkfähigkeit entwickelten sich typische Religionsmerkmale wie Kulte, Rituale, Opferungen und auch Tabus, die helfen mussten, die Götter nicht zu erzürnen, sie gewogen zu stimmen. Und wohin kommen die Menschen und ihr eigener Geist nach dem Tod, wenn nicht zu einem der mächtigen Geister? Sofern sie würdig genug sind?

Mit weiter steigenden Denkfähigkeiten, über Jahrtausende, entstand schließlich auch die Frage, wer denn der Verursacher der gesamten Natur sei, einschließlich der vielen mächtigen Geister. Auch das muss ja ein Jemand bewirkt haben, wie auch immer. Und die Einzelgeister konnten das Gesamte doch höchstens gemeinsam erzeugen: Wer leitet sie an?

Und der eigene Stamm, die eigene Sippe zeigte ja mit dem Alpha, dem Stammesältesten oder Häuptling Strukturen an, die wohl auch bei den Göttern so existieren mussten.

Angesichts der Jahrtausende alten Tabus war dieser Übergang vom Polytheismus zum Monotheismus alles andere als einfach. Von Echnaton aus der 18. Pharaonen- Dynastie wird der vielleicht heftigste Versuch berichtet, dem sich allerdings die Priester und das Volk widersetzten. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hat hier auch der jüdische Monotheismus seine Wurzeln. Um diese Zeit mussten dann auch die Schöpfungsgeschichten entstanden sein.

Polytheismus mit monotheistischen Ansätzen gab es rund um die Welt: Neben den Ägyptern auch alle anderen Völker im nahen Osten, bei den Griechen, Römern, Germanen, Kelten, in Indien und in Amerika, bei den Azteken, Mayas, Inkas und den nordamerikanischen Indianern. Und so ist die heutige Situation weltweit durchaus ganz verständlich.

                                               

Evolutionsvorteil durch Glaube und Religionen?

Evolutionsvorteile sind solche, welche die Replikationsbilanz direkt positiv beeinflussen. Demnach müssten früheste Religionen die Nahrungsbeschaffung, die Verteidigung gegen Feinde oder die Kopulationshäufigkeit gesteigert haben, damit sich religiöse Exemplare, damit auch Religionen, stärker vermehren als nicht religiöse. Davon ist nicht auszugehen.

Vielmehr ist davon auszugehen, dass Glaube und Religionen als Nebeneffekt des Sicherheitsbedürfnisses entstanden, ohne wirklich und direkt die Replikationsbilanz zu beeinflussen. Es ist, als ob potentielle Bedrohungen irgendwie geklärt werden mussten, ohne dass sie tatsächlich existierten. Tatsächlich änderte sich die irrelevante Umgebung unserer Ahnen ja nicht im geringsten, als sich das Bewusstsein entwickelte. Es entstanden lediglich Fragen, die ohne Konstrukte wie „Wesen, Geister und Götter“ nicht zu lösen waren.

Dawkins erfand den Begriff des Mems, ein Informationspaket, das sich durch Kommunikation vervielfältigt. Verstärkend darf hinzugefügt werden, dass Menschen bevorzugt das kommunizieren, zu dem ihr genetisch verankertes Grundverhalten sie antreibt. (Siehe Sex). Religiosität kann daher sehr gut als Meme, erzeugt durch genetisches Verhalten verstanden werden. Aber es bleibt eine auf einem Nebeneffekt aufgebaute Fiktion.

 

Ethik als Religionsmerkmal

Mit der bis hier dargelegten Betrachtung kann Ethik, wenn überhaupt, höchstens ein sehr untergeordneter Aspekt solcher frühen Religionen gewesen sein. Vor allem auch deshalb, weil die Befriedigung des Sicherheitsbedürfnisses sehr viel bedeutender war: Huldigen, dienen, opfern, beten, versichern, dass das Volk sich unterordnet.

Allerdings entwickelte sich parallel auch die Erkenntnis, dass bestimmte Verhaltensweisen der Menschen, wenn sie in Gemeinschaft lebten, nicht toleriert, sogar verboten und bestraft werden müssen: Replikation mit anders zugeordneten Geschlechtspartnern, Erobern als Diebstahl und Raub, Gewalt als Tötung und Mord. Im Vokabular evolutionär entstandenen, genetisch verankerten Grundverhaltens: Die für Individuen optimierten Grundverhaltenskomponenten, die Egozentriker hervorbringen, hatten in einer Gesellschaft solcher Individuen erhebliche negative Auswirkungen: Es entstanden empirisch Bewertungen wie gut und schlecht oder böse, verbunden mit Gesetzen, Strafen und Drohungen.

In einer Umgebung des Übergangs zum Monotheismus, wo ein einzelner Gott die ganze Welt mit der Natur und allen Lebewesen geschaffen haben soll, scheint es völlig natürlich und selbstverständlich, diesem Gott das Gute zuzuschreiben. Und einem abtrünnigen Satan das Böse, das ab diesen Zeiten Sünde genannt wurde. So wurde mit hoher Wahrscheinlichkeit das Gute von Religionen erst viel später adoptiert und gleichzeitig ein hervorragendes Druckmittel für die Umsetzung geschaffen: Wer verstößt, landet nach seinem Tod für immer bei Satan.

Die Wurzel des Bösen, damit auch der Sünde sind tatsächlich die negativen Auswirkungen der Grundverhaltenskomponenten GVK in einer Gesellschaft, die im Kern aus Egozentrikern besteht.

Dass die näherungsweise parallel oder zeitgleich mit der Entstehung von Religionen entstandene Ethikentwicklung auch weitgehend religionsarm entstehen kann, zeigt der Buddhismus und seine mutmaßlichen Vorläufer: Religionen sind nicht zwangsläufige Vorbedingungen und Vorreiter für Ethik. Es ist auch der umgekehrte Weg möglich, den einer eher naturalistischen, ethischen Heilslehre, die sich dann erst zu einer Religion wandelt.

 

Indizien als Belege

Die so beschriebene Theorie zur Entstehung von Religionen und Ethik, die beim menschlichen, genetisch programmierten Grundverhalten auch aller anderen Lebewesen sein Wurzeln hat, lässt sich mit einem nicht ganz wissenschaftlichen Trick experimentell überprüfen:

Ein im All sitzender Experimentator und Beobachter, der die Theorie zur Entstehung von Glaube, Religionen und Ethik aus dem genetisch verankerten Grundverhalten, dem dadurch entstehenden Weltbild bei dann hinzukommendem Bewusstsein kennt, macht Voraussagen zur Entwicklung der Menschen. Es sind die, welche bereits oben als Konsequenz von Grundverhalten und Weltbild angedeutet oder grob skizziert wurden, sobald sich Bewusstsein und Denkfähigkeiten langsam entwickeln.

Er wird dann genau das beobachten, was uns bis heute als geschichtlich- religiöse Überlieferungen über Tausende von Jahren bekannt ist. Tatsächlich sind alle Vorgänge weltweit im Bereich von Volks- und Religionsentwicklungen in der Form von Indizienketten auf das genetisch verankerte Grundverhalten zurückzuführen, allen voran die Zehn Gebote und ihre Entstehungsgeschichte.

 

Welche Bedeutung hat diese Entstehungserklärung für Religionen?

Das Argumentationsfundament ist das genetisch verankerte Grundverhalten aller Lebewesen, insbesondere das Sicherheitsbedürfnis, die Neugier zur Aufklärung von Unbekanntem und das Rangordnungsverhalten.

Abgesehen vom Prozess, wesentliche Teile solchen Verhaltens bereits von replikationsfähigen Molekülen und einfachsten Organismen sehr objektiv ableiten zu können, also weit bevor es Menschen und Religionen gab, besteht in der Wissenschaft kein Zweifel an solchem vererbten Grundverhalten, das folglich genetisch fixiert sein muss. Auch lässt sich experimentell über die Beobachtung der Ausschüttung von Botenstoffen und Hormonen mit Hilfe von auslösenden Triggern die Bedeutung des Sicherheitsbedürfnisses (und der Neugier zu deren Befriedigung) zeigen.

Daran dürfte kein Zweifel bestehen. Die Schlussfolgerungen arbeiten ausschließlich mit diesem Fundament.

Das bedeutet mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit, dass Glaube an Übernatürlichkeit und Religionen gleich welcher Version auf vollständigen Fiktionen beruhen. Allerdings zwangsläufig und nicht vermeidbar, als Konsequenz auf das fundamentale Sicherheitsbedürfnis, als Bewusstsein entstand.

Alle Religionen Irrtum und Fiktion!

Und dennoch absolut notwendig bis zum heutigen Tag, weil Schöpfung und Tod für viele, eher die mit Abstand meisten Menschen so unbegreiflich sind.

Rituale, Kirchen, Tempel, Moscheen, Bibel, Koran, Thora, Bundesladen, religiöse Formeln, Dienste, Bekleidung, Hüte, Bärte, Kopftücher, Unterwerfungen: alles auf Fiktionen aufgebaut. Welch katastrophale Erkenntnis!

Wer das aber ersetzen will, muss das Bedürfnis nach Sicherheit anders und glaubhaft befriedigen. Es ist im Kern die Kenntnis der Evolution ab ihren frühesten Anfängen. Eine echte Aufgabe für Aufklärer, Humanisten, Naturalisten, Agnostiker, Atheisten. Aber auch wenn es sich noch um mehrere Generationen handeln sollte, Erkenntnis ist nicht aufzuhalten. Sie wird sich eines Tages durchsetzen.

 

Was sagen unsere großen Philosophen dazu?

Sie kannten nur den traditionellen Weg zum Erkenntnisgewinn, den phänomenologischen:  Aus Beobachtungen des Geschehens im Alltag unter Einsatz herausragender analytischer Fähigkeiten Erkenntnisse zu gewinnen und diese zu kommunizieren. Von Sokrates über Epikur, Feuerbach oder Kant bis zum heutigen Tag.

Der Argumentationsweg über genetisch verankertes Grundverhalten, abgeleitet aus frühesten Vorgängen der irdischen Evolution, der Molekülbildung ist neu, auch für den heutigen philosophischen Alltag. Kann er nicht widerlegt werden, so käme das einer Revolution gleich. Weil solches Grundverhalten das Fundament ausnahmslos für alle Lebensbereiche darstellt:  persönlich, staatlich- politisch, wirtschaftlich- industriell, das Kommunikationsverhalten, die Bildungssysteme, die Medien und natürlich Glaube und Religiosität.  

Dawkins geht dabei sicherlich den Weg der Konfrontation gegenüber Religionen. Tatsächlich wirken sie nicht wirklich ethisch- beispielgebend, betrachtet man ihre Historie einerseits und ihre starren, dogmatischen Haltungen andererseits. Dawkins scheint aber nicht zu berücksichtigen, aus welchem biologisch- fundamentalen Grund die Menschen an Glaube und Religionen festhalten müssen, so lang ihnen keine Alternative bewusst ist.

Wenn diese hier vorgelegte Argumentation die Vergangenheit tatsächlich richtig wiedergeben sollte, so seien heutige Philosophen und Denker aufgerufen, zu einer entsprechenden aufklärerischen Umsetzung beizutragen, auch wenn der Übergang zu einer bewussten Gesellschaftsentwicklung Parallelen zu Echnatons vergeblichen Bemühungen zeigen wird.

 

Die Lösung der Theodizee

Wenn Gott sowohl gütig wie auch allmächtig sein soll, warum erlöst er uns dann nicht vom ganzen Leid? Die Fragestellung geht wohl auf Anhänger von Epikur oder ihn selbst zurück.  Leibniz formulierte es als die Theodizee:

Entweder will Gott die Übel beseitigen und kann es nicht:

Dann ist Gott schwach, was auf ihn nicht zutrifft,

Oder er kann es und will es nicht:

Dann ist Gott missgünstig, was ihm fremd ist,

Oder er will es nicht und kann es nicht:

Dann ist er schwach und missgünstig zugleich, also nicht Gott,

Oder er will es und kann es, was allein für Gott ziemt:

Woher kommen dann die Übel und warum nimmt er sie nicht hinweg?

 

Mit der Kenntnis der Evolution und ihrem Ausgangspunkt bei „Verhalten“ dürfte als gesichert gelten, dass es keine Schöpfung nach religiösen Vorstellungen gab, wohl aber eine Entwicklungsautomatik, die mit einfachsten Gesetzmäßigkeiten eine unbewusste Evolution bis heute zur Folge hat.

Wenn es dennoch ein Überwesen Gott geben sollte, so kann nur das diese Gesetzmäßigkeiten erdacht und ab Urknall in Gang gesetzt haben. Oder es gibt eben kein Überwesen.

Es lässt sich sehr gut zeigen, dass der „Antrieb“ zu Entstehung und Replikation und die dadurch hervorgerufenen Grundverhaltenskomponenten GVK, die das Individuum fördern, also egozentrische, rücksichtslose Lebewesen züchten, der wahrscheinlich einzige Weg zu einer unbewussten Evolution ist. Es ist ein essentieller Bestandteil der Gesetzmäßigkeiten, die da in Gang gesetzt wurden.

Wenn das so ist, so dürfte sich ein weiser allmächtiger Gott nach Zündung nicht mehr in der Weise einmischen, dass er einzelne Individuen oder Lebensformen bevorzugt oder benachteiligt. Das Überwesen ist ja eher als unendlich gerecht anzusehen, weshalb es sich solche Eingriffe zu Gunsten oder zu Lasten von Individuen verbietet, wenn sie nicht gleichzeitig auch anderen zukommen soll.

Damit kann das Wesen also existent sein, auch allmächtig und gütig: es wird aber dennoch nicht in die laufende Evolution eingreifen. Die Automatik soll es erledigen.

Aber was?

Was sollte die Intention eines Überwesens sein, falls es das geben sollte? Was könnte das Ziel der Zündung einer zunächst unbewussten, dann schließlich bewussten Evolution sein? In der aus unbewussten, einfachsten Organismen denkfähige Lebewesen entstehen, die aus der Verfolgung egozentrischer Interessen andere ableiten, die der Intention des Überwesens entsprechen müssten?

(siehe auch www.gesellschaftsevolution.de)

[1] Dieter Brandt: Menschen sind klug, …gierig, …archaisch, …dumm.

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