Der Heilige Gral des Bewusstseins

Wir leben heute in einem Zeitalter des Materialismus und absoluten Realismus mit einem materiellen (statt geistig-kulturellen) Wachstumsideal und exponentiellen Zuwächsen (in einer begrenzten Biosphäre) nicht nur hinsichtlich der Weltbevölkerung, sondern auch in Bereichen wie Informationstechnologien, Mobilität, Waffentechnologien, Ressourcenverbrauch, Umweltzerstörung usw. Alles scheint möglich, der Mensch ist schon auf dem Mond spazierengegangen, er hat seinen eigenen genetischen Bauplan entschlüsselt und Waffen entwickelt, mit denen er sich mehrfach selbst vernichten kann. Und nun kündigt der als berühmtester Biologe unserer Zeit bezeichnete Amerikaner Edward O. Wilson einen neuen, vielleicht sogar den größten Meilenstein im technisch-materiellen Siegeszug der modernen Naturwissenschaften an: Die Entschlüsselung und Erklärung des Denkens von der materiellen Grundlage her.

In seinem neuen Buch „Der Sinn des menschlichen Lebens“ beschäftigt sich der zwischenzeitlich 86jährige Wilson mit der Zukunft des Menschen und in diesem Zusammenhang mit der prägendsten Eigenschaft des Menschen, seinem Geist und Bewusstsein. Der Sinn des menschlichen Lebens hat für Wilson in diesem Buch viel mit der Geisteswissenschaft zu tun, denn „wenn man behaupten kann, unsere Spezies hat eine Seele, dann wohnt sie in den Geisteswissenschaften“. Darin liegt für Wilson die Zukunft des Menschen – aber erst nach dem die Naturwissenschaft oder Biologie der alten Geisteswissenschaft gezeigt hat, wie es wirklich geht, denn: „Seit über zweitausend Jahren mühen sich die Philosophen, das Bewusstsein zu erklären. Genau das ist ja auch ihr Job. Da sie keine Ahnung von Biologie haben, sind sie – eigentlich verständlicherweise – zu keinem Ziel gekommen“. Die bisherigen Geisteswissenschaften betrachtet Wilson daher als „in einem kleinen Käfig des Bewusstseins“ steckend, die darin allein, also ohne die Biologie, das eigentliche Mensch-Sein grundsätzlich nicht begründen können.

Der Weg und das Mittel zu dieser von der Biologie geführten Geisteswissenschaft besteht für Wilson in dem „Brain-Activity-Map-(BAM-)Projekt“ der Neurobiologie als „direkten Angriff auf die Festung, den Darwin für unmöglich erklärt hatte“. Darin konzentrieren sich die Neurowissenschaftler auf „den Gral der Naturwissenschaften, der heller leuchtet und den sie eher verstehen können [als den freien Willen]: die physikalische Grundlage des Bewusstseins, das ja den freien Willen mit umfasst“, denn „es gibt für die Menschheit kein wichtigeres wissenschaftliches Forschungsprojekt, als das Phantom des bewussten Denkens dingfest zu machen“.

Wilson vergleicht dieses Vorhaben mit dem Human Genome Projekt oder der Mondlandung. Ziel dabei ist die Kartierung jedes Neurons in Echtzeit, also „die gesamten Denkprozesse – rational und emotional, bewusst, vorbewusst und unbewusst, sowohl punktuell als auch im Zeitverlauf – auf eine physikalische Grundlage zu stellen“. Wenn auf diese Weise, so schließt Wilson sein Buch nach dem Sinn des menschlichen Lebens (allerdings nicht sehr konkret), „die heuristische und analytische Kraft der Naturwissenschaften sich mit der introspektiven Kreativität der Geisteswissenschaften verbinden lässt, dann wird das menschliche Leben einen unendlich produktiveren, interessanteren Sinn bekommen“.

 

Mit der Verwirklichung dieser Entschlüsselung des Geistes würden Materialismus und Realismus endgültig triumphieren und die Geisteswissenschaften neu begründen und beherrschen.Was Wilson in diesem Buch allerdings völlig verschweigt, sind die Probleme, die die moderne Naturwissenschaft mit ihrer physikalischen Grundlage der Materie hat, von der aus das Rätsel des Bewusstseins gelöst werden soll. Statt einer eindeutigen Klärung des Realen tauchen auch hier wieder die ungeliebten idealistischen Deutungen auf. Aufgrund ihrer seit einhundert Jahren vergeblichen Bemühungen um das Verständnis der Realität hinsichtlich der (quanten)physikalischen Grundlage unserer Welt und des dadurch nur noch „hypothetischen Realismus“ der Naturwissenschaft muss im Gegensatz zu Wilsons Aussage festgestellt werden, dass es die moderne Naturwissenschaft ist, die bei der Klärung der physikalischen Grundlage dieser Welt nicht „zu einem Ziel gekommen ist“. So spricht in einem SPEKTRUM-Interview mit dem bezeichnenden („Holzweg“)Titel „We are barking up the wrong tree“ der Quantenphysiker Anton Zeilinger direkt die Philosophen an, um die physikalischen Forschungsergebnisse in der nach wie vor offenen Frage nach der eigentlichen Realität zu klären.

Mit dem „Evangelium“-Begriff in diesem Interview deutet Zeilinger an, dass die moderne Naturwissenschaft (wie schon die Religion) dogmatisch und ideologisch an einem Realitätskonzept festhält, dass sich im Fall der Naturwissenschaft durch ihre eigenen Versuche schon lange nicht mehr halten lässt. Im Grunde begeht sie mit ihrem nur noch hypothetischen Realismus denselben Fehler wie die Religion: Sie projiziert oder postuliert etwa mit der Evolutionären Erkenntnistheorie zwar keine Personalität wie in der Religion in ein uns unbekanntes Reales oder Absolutes (Kants „Ding an sich“), aber dennoch weltliche Strukturen, Kategorien und Eigenschaften wie Raum und Zeit. Von daher behauptet die Evolutionäre Erkenntnistheorie, dass unsere Seins- und Erkenntnisstrukturen stammesgeschichtlich in der Evolution in Anpassung an diese (hypothetisch postulierten) realen Strukturen entstanden sein sollen, wodurch man glaubt, das Apriori und den gesamten Idealismus von Kant widerlegt zu haben. Doch dieser nur noch hypothetische Realismus oder naturwissenschaftliche Glaube kann als typischer Zirkelschluss leicht entlarvt werden, wie das etwa der Philosoph und Physiker Carl Friedrich von Weizsäcker getan hat, indem er in Anspielung auf das Hauptwerk von Lorenz feststellte: „Wenn das Bewußtsein ein Spie­gel ist, so kennen wir die Rückseite des Spiegels nur gespiegelt.“

 

Im Gegensatz zur Aussage von Wilson ist andererseits die Geisteswissenschaft in ihrer zweitausendjährigen Geschichte sehr wohl zu einem Ziel gekommen. Der Gegenpol des heutigen Materialismus und Realismus, die idealistische oder neuplatonische Philosophie, sagt nicht, dass es ein Absolutes oder Reales gar nicht gibt. Sie sagt aber im Gegensatz zum Realismus vor allem, dass wir dieses Absolute oder diese Substanz als solche auf keine Weise erkennen können. Das hat sich bisher in jeder Hinsicht bestätigt, da ja selbst die Naturwissenschaft nur noch von einem hypothetischen Realismus spricht und die Ergebnisse der (Quanten)Physik sich irgendwo im Dickicht komplexer mathematischer, also geistiger Formeln und statistischer Auffälligkeiten verlieren.

Im idealistischen Verständnis hat auch die physikalische Grundlage der Materie genau wie die Wahrnehmung von Farben immer etwas mit unserem Erkennen und Bewusstsein zu tun. Die von uns erkannte Materie ist daher nicht die eigentliche Realität oder Substanz, auch sie ist vielmehr nach der Struktur unseres Erkennens geformt, wobei dem Platonismus-Forscher Jens Halfwassen und seinem Buch „Plotin und der Neuplatonismus“ nach im Platonismus „die Strukturen des Seins mit den Strukturen unseres Denkens fundamental übereinstimmen“. Von daher kann nur über das Bewusstsein das Rätsel dieser von uns als scheinbar so real erkannten Welt gelöst werden, nicht dagegen in den Produkten des Bewusstseins als der von uns erkannten Materie. Das über Kant hinausgehende „Ziel“ im Neuplatonismus und der sogenannten negativen Theologie besteht darin, dass das eigentlich Reale, Absolute oder Göttliche zwar in gewisser Weise durch das Bewusstsein erkannt werden kann, doch nur auf eine besondere, paradoxe, die Welt und das eigene Sein übersteigende Art und Weise.

Denn diese höchste Erkenntnis setzt zunächst das von Plotin genannte umfassende geistige „Heraustreten“ aus den weltlichen Seins,- Erkenntnis- und Bewusstseinsstrukturen (der platonischen Höhle der Schatten oder dem „kleinen Käfig des Bewusstseins“) voraus bzw. gemäß Meister Eckharts auf dem Neuplatonismus gründender negativer Theologie bedarf es dazu eines „armen“ oder „Heiligen Geist“ jenseits von Sein, Raum und Zeit. »Heilend« ist dieser Geist in einem lebendigen Sein deswegen, weil die Auflösung des Bewusstseins darin gleichbedeutend mit dem Vollzug der substantiellen Einheit allen Seins jenseits von Sein, Zeit und Raum ist (wofür in der negativen Theologie der „Vater“ steht). Im Grunde ist es ein »geistiger Tod«, nur dass sich im körperlichen Tod die substanzlosen Seins- und Erkenntnisstrukturen eines bestimmten Seins endgültig auflösen. In dieser Auflösung der weltlichen Seins- und Erkenntnisstrukturen ist die ewig unveränderliche Substanz in sich, da gibt es weder sich in Zeit und Raum veränderndes Sein noch Erkenntnis. Denn Halfwassen nach kann man „diesem Absoluten nicht zuschreiben, dass es denkt, und zwar auch nicht sich selbst“.

Eine Erkenntnis dieses nach Eckhart „funkenhaften“ Aussetzens der Erkenntnis- und Seinsstrukturen, ihrer dadurch offenbarten Relativität und der als unmittelbare Folge davon vollzogenen reinen Existenz des eigentlichen und substantiellen Realen, Absoluten oder Einen kann erst in der Dualität der in einem lebendigen Sein wiedereinsetzenden weltlichen Grundstruktur des in Zeit und Raum getrennten Seins erkannt werden (wofür das „Sohn“-Sein steht) – doch darin ist die Einheit des Absoluten nicht mehr. Die (Selbst)Erkenntnis des Absoluten, Einen oder Göttlichen kann daher wesenhaft nur in der trinitarischen Erkenntnis bzw. als Eckharts „nichterkennendes Erkennen“ an der Grenze zwischen Welt und jenseitigem Absoluten mit Hilfe der weltlichen Strukturen geschehen. In diesem trinitarischen Erkennen liegt einerseits die einzig mögliche (nichterkennende) Erkenntnis des Absoluten, Göttlichen, und andererseits gleichzeitig die idealistische Erkenntnis und Erfahrung der geistigen Geschaffenheit und Relativität alles weltlich Hervorgebrachten und Erkannten, einschließlich der höchsten Erkenntnis darin.

Denn zur paradoxen trinitarischen Erkenntnis des Absoluten, Göttlichen an der Grenze zwischen Welt und Jenseitigem gehört es, dass sie einerseits als idealistische Idee in der Welt etwas vollkommen Verrücktes und Unvorstellbares ist und andererseits als realistische (Gottes)Idee sich in der Welt nur dann als wahr erweist, wenn sie in einem armen, heiligen Geist mit dem gesamten Erkennen und Bewusstsein sich auflöst und wiederum vergeht. Auch die höchste Erkenntnis erweist sich stets, wie alles Sein und Erkennen in der Welt, als substanzlos und geschaffen, was in dieser Ein-Sicht und diesem Vergehen die jenseitige Einheit wiederum wesenhaft vollzieht – um mit einem apriorischen Entstehen der weltlichen Grundstruktur als urknallmäßige Lebendigkeit auch das wieder zu erkennen usw. Nur in der in einem lebendigen Sein auf diese Weise nicht endenden trinitarischen Erkenntnis kann der »Spiegel-Kreis« der weltschaffenden Seins- und Erkenntnisstrukturen durchbrochen und darin gleichzeitig wieder gespiegelt werden.

Trotz dieses trinitarischen Erkenntnisprozesses an der Grenze zwischen Welt und Jenseits ist und bleibt der wesentliche Teil dabei und „das letzte Endziel“ ganz gemäß der negativen Theologie Eckharts letztlich stets „das verborgene Dunkel der ewigen Gottheit“, und das „ist unerkannt und ward nie erkannt und wird nie erkannt werden“. Das ist die eigentliche Erkenntnis der dadurch nur geschaffenen und relativen weltlichen Seins- und Erkenntnisstrukturen, die das grundsätzliche Leid eines in diesen Strukturen wie in einer Höhle gefangenen Bewusst-Seins begründet.

Das dogmatische Festhalten an einer höchsten Erkenntnis und Idee des Absoluten, Göttlichen in einer dadurch scheinbar als real begründeten Welt erweist sich dagegen stets als widersprüchlich, falsch, verliert in der Zeit mehr und mehr an Lebendigkeit und verschließt diesen Heiligen Geist und Gral des Bewusstseins als (in dem Teil des Vergehens) wesenhafte Erkenntnis des Absoluten, Göttlichen. Diese Verbindung zur Entstehung der dogmatischen christlichen Trinität, bei der der absolute Realismus den damals die Wissenschaft bestimmenden Platonismus oder Idealismus dadurch verdrängt hat, indem er zwar seine höchste Idee als neues Gottesbild übernommen hat, diese Idee dabei jedoch faktisch in ihr Gegenteil verfälscht hat, legt Halfwassen in seinem Buch offen, indem er schreibt: „Es gehört zu den merkwürdigsten Ironien der Geschichte, dass ausgerechnet der erklärte Christenfeind Porphyrios mit seinem trinitarischen Gottesbegriff, den er aus der Interpretation der Chaldäischen Orakel entwickelte, zum wichtigsten Anreger für die Ausbildung des kirchlichen Trinitätsdogmas im 4. Jahrhundert wurde“.

Das, was damals geschehen ist, hat insofern Auswirkungen bis heute, da auch die moderne Naturwissenschaft trotz ihrer zwischenzeitlichen Distanzierung vom religiösen Glauben an dem strikten Realismus dieser Religion weiterhin geradezu dogmatisch festhält und so die Eigenarten und Besonderheiten ihres wichtigsten »Messinstrumentes«, des Bewusstseins, genau wie in der dogmatischen Religion vollständig ausklammert. Lorenz beschreibt in seinem »Spiegel-Buch« die sogenannten „Konstanzphänome“ unseres konstruierenden Bewusstseins, wie etwa ein Blatt Papier, das wir in den verschiedensten Beleuchtungen stets in derselben Farbe »weiß« erkennen, überhaupt die Farbwahrnehmung, bei der wir bestimmte elektromagnetische Wellenlängen als Farben sehen oder die räum­liche Form und Größe eines Gegenstandes, die wir bei Betrachtung von verschiede­nen Seiten und aus verschiedenen Entfernungen stets als dieselbe wahrnehmen, obwohl das auf unse­rer Netzhaut entworfene Bild dabei sehr verschiedene Formen und Größen an­nimmt. Das wichtigste und grundlegendste Konstanzphänomen wird allerdings als konstruktive Leistung unserer Erkenntnis allgemein bestritten und stattdessen für real gehalten, nämlich die konstante Wahrnehmung eines (von einer Einheit) getrennten Seins in Zeit und Raum. Die Begriffe oder Kategorien Sein, Zeit und Raum werden bis heute von der Wissenschaft als reale, von unserem Erkennen und Bewusstsein unabhängige Eigenschaften einer real existierenden Welt gehalten, während es dagegen im Idealismus wie die Farbwahrnehmung eine konstruktive Leistung unseres Erkennens und Bewusstseins ist.

Die moderne Naturwissenschaft befindet sich daher in einer ähnlichen Rolle wie die Wissenschaft des ptolemäischen, geozentrischen Weltbildes, die mit immer komplizierteren mathematischen Berechnungen von Exzentern und Epizyklen den immer genaueren empirischen Beobachtungen der Planeten hinterherhinkte, ohne jemals mit diesem Ansatz ihrer Theorie des geozentrischen Weltbildes an ein Ziel zu gelangen. Genauso wie man schließlich zu viel einfacheren und wahren Erkenntnissen dadurch gelangte, indem man einfach den grundlegende Ansatz veränderte und entgegen der Sinneswahrnehmung in der Theorie die Planeten nicht um die Erde, sondern um die Sonne kreisen ließ, ist es heute nötig, nicht die äußeren, scheinbar so realen Objekte der Welt wie Atome, Teilchen, Gestirne und das Universum selbst ins Zentrum der Forschung zu stellen, sondern das Bewusstsein, ohne dessen Erkenntnis diese Dinge so gar nicht existieren würden.

Das Problem hierbei im Gegensatz zum geozentrischen Weltbild ist allerdings, dass es sich jetzt um die grundlegenden und zudem relativen und konstruierten Seins- und Erkenntnisstrukturen handelt und es daher keine übergeordnete Perspektive gibt, aus der die Zusammenhänge insbesondere mit einem Absoluten umfassend erkannt und erklärt werden könnten. Denn das wäre darin wieder ein Realismus, aber so ist die Welt nun einmal nicht geschaffen.

 

In der Antike hat sich aber nicht der Platonismus der Philosophie, sondern der Realismus der Religion durchgesetzt. Der neuplatonische trinitarische Erkenntnisprozess, bei dem die weltliche Grundstruktur des in Zeit und Raum getrennten Seins zur heilenden und darin wesenhaft solidarischen Einheit allen Seins aufgehoben wird, wurde im dogmatischen Christentum zu einer absoluten Zementierung dieser Grundstruktur als scheinbar reale göttliche Personen, in deren Geist das getrennte Sein der Welt für absolut gesetzt und verewigt wird.

Ist dieses neuplatonische und idealistische „Ziel“ in einem objektiven Sinne wahr? Und wenn es das ist, hat die gänzliche Vernachlässigung dieser Erkenntnisse und Wahrheiten in der heutigen, vom Materialismus und Realismus beherrschten Zeit dann keinerlei Konsequenzen? Doch, denn neben der geistigen, philosophischen und naturwissenschaftlichen Widerlegung des geglaubten wesenhaften Realismus zeichnet sich noch eine andere Weise ab, auf die der heutige, scheinbar uneingeschränkte Materialismus und Realismus in praktischer Hinsicht letztlich scheitern muss, und zwar gesetzmäßig. Einerseits sind die weltlichen Seins- und Erkenntnisstrukturen nur geschaffen und ohne Substanz und können daher nie zu einem in sich ruhenden Ziel gelangen, sie müssen immer weiter wachsen, auch in einem begrenzten Lebenssystem. In dem Buch von Wilson findet dieser Aspekt des Menschen Erwähnung, wenn Wilson schreibt, dass wir gedankenlos die Biosphäre zerstören und damit unsere eigenen Aussichten auf dauerhafte Existenz. Diese Entwicklung des Menschen sieht Wilson als „Fortschreiten eines kopflosen, gefräßigen Molochs, der sich von der Biomasse genau des Lebens ernährt, das er zerstört“, so dass es letztlich, wie ein Krebsgeschwür, ein Angriff auf den Menschen selbst ist.

In einem begrenzten System, wie es die irdische Biosphäre darstellt, offenbart sich daher letztlich das eigentliches Wesen unserer mit dem Tier entstandenen grundlegenden Seins- und Erkenntnisstrukturen inklusive unserer Instinkte, wenn sie an diese Grenzen stoßen und die vom Materialismus bestimmte Entwicklung wie eine Blase platzt.

Das globale Scheitern des Materialismus in der Welt mitsamt seiner Hybris, auch den Geist erklären zu wollen, wird darin die Offenbarung der neuplatonischen und idealistischen Wahrheit sein. Das scheinbar so reale Sein der Welt und ihrer grundlegenden Seins-, Erkenntnis- und Bewusstseinsstrukturen werden dann auf diese Weise relativiert werden. Dieses zerstörerische Scheitern ist zwar im Vergleich zu dem philosophischen Weg eine äußerst dumme und animalische Form der Erkenntniserlangung, aber andererseits liegt in der Wucht, mit der die Entwicklung darauf zuläuft, sowie dem apokalyptischen Leid, der Umfassendheit und Konsequenz des auf diese Weise erfolgenden (Deutungs)Wechsels vielleicht der angemessene, jede geistige Lehre übertreffende Effekt der Offenbarung.

 

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